Genossenschaftliche Produktion von Solarstrom in Vorarlberg
v-energie wurde eingeladen, sich beim Genossenschafttag des Österreichischen Genossenschaftstag (ÖGV) zu präsentieren. Mario Lechner hat dort ein Referat gehalten und nachfolgenden Artikel für die ÖGV-Zeitschrift cooperativ verfasst:
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Wenn vom blauen Planeten die Rede ist, weiß jede/r, dass damit die Erde gemeint ist. Sie ist rund 4,5 Milliarden Jahre alt, war aber mehr als vier Milliarden Jahre lang gar nicht blau, sondern für menschliches Leben ganz und gar ungeeignet. Durch unsere auf fossile Energiequellen aufbauende Wirtschaft laufen wir Gefahr, dass unsere Welt in letzter Konsequenz wieder unbewohnbar wird. Doch Alternativen sind in Sicht.
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Kein Wasser, heiß, gigantische Stürme, keine Luft, also kein Sauerstoff, zum Atmen. Nach unseren Kriterien war die Erde meistens unbewohnbar. Nur langsam kühlte sich die Erdoberfläche ab. Wasser wurde flüssig. Leben entstand. Über viele Millionen Jahre lang haben die ersten Pflanzen der Atmosphäre CO² entzogen, den Kohlenstoff in ihre Körper eingebaut und den Sauerstoff wieder in die Atmosphäre entlassen. Gigantische Mengen an abgestorbenen Pflanzen und der in ihnen enthaltene Kohlenstoff wurden über hunderte von Millionen Jahren unterirdisch deponiert in Form von Erdöl, Erdgas und Kohle.
Erst vor rund 150.000 Jahren betraten die ersten Homo sapiens die Bühne der Welt. Seit noch viel kürzerer Zeit nutzt der Mensch fossile Brennstoffe als Energiequelle. Seit etwa 300 Jahren in Dampfmaschinen und seit 123 Jahren in Automobilen mit Verbrennungsmotor. Wir haben seitdem in nur wenigen Jahren Unmengen an Co² freigesetzt, das über hunderte von Millionen Jahren unterirdisch deponiert war.
Die Probleme
Daraus ergeben sich nun für uns ökonomische und ökologische Probleme: Die Reserven an fossilen Energieträgern gehen zur Neige. Beim Erdöl wird von Peak Oil gesprochen, also davon, dass bereits die Hälfte des verfügbaren "schwarzen Goldes" verbraucht ist. Damit steigen schon jetzt die Preise und sie werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch gewaltig steigen. Wir werden unsere Abhängigkeit von ausländischen Lieferant/innen noch deutlicher zu spüren bekommen und noch bitterer erkennen müssen, dass die Wertschöpfung in der fossilen Energiewirtschaft nicht in Österreich erfolgt, dass damit also ein gewaltiger, permanenter Kapitalabfluss aus unserer Volkswirtschaft verbunden ist.
Die Freisetzung des unterirdisch deponierten Kohlenstoffs führt zur Erwärmung der Atmosphäre. Das Klima wandelt sich, verbunden mit großen Gefahren für das Leben auf diesem Planeten.
Die Alternativen
So negativ diese Perspektive erscheint, so erfreulich ist es aber, dass die Alternativen bereits vorhanden sind. Das Potential an erneuerbaren Energie ist um ein Vielfaches höher als der derzeitige Energieverbrauch. Die Sonne beliefert die Erde täglich mit viel, viel mehr Energie, als wir direkt oder indirekt, also insbesondere über Wind-, Wasserkraft und Biomasse, nutzen können. Weiters ist erfreulich, dass die technischen Lösungen dafür vorhanden sind.
Die Vorteile dabei: Die Sonne liefert kontinuierlich und verlässlich und schickt dafür keine Rechnung. Die Wertschöpfung bleibt im Land. Es entstehen tausende Arbeitsplätze. Wir sichern die ökologischen Grundlagen unseres Lebens auf dieser Erde.
Die Politik versagt
Warum geht dann nichts weiter? Diese Frage ist für Österreich berechtigt. In vielen anderen Staaten ist die Energiewende aber bereits voll angelaufen. In Deutschland hat das Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) bereits über 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das Landschaftsbild ist zunehmend geprägt von mit Photovoltaik bestückten Dächern und Windrädern. Über 40 Länder haben das deutsche EEG kopiert und sind auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Österreich hat die Entwicklung bislang leider verschlafen und versäumt, entsprechende rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen zu schaffen. Das österreichische Ökostromgesetz ist in Wirklichkeit ein Ökostromverhinderungsgesetz. Es kommt noch schlimmer. Da Österreich – im Gegensatz zu allen anderen alten EU-Ländern (EU 15) – die Kyotoziele bei weitem nicht erreicht, werden wir hunderte Millionen für den Ankauf von Verschmutzungszertifikaten und für Strafzahlungen aufbringen müssen. Wir werden also die Energiewende in Indien und China finanzieren, anstatt unsere eigene Volkswirtschaft zu unterstützen. Werden die Potentiale an Effizienzsteigerung genutzt, kann die EU bis 2050 komplett auf Energie aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse (Holz, Hackschnitzel, Pellets etc.) umsteigen. Das Belegen Studien. Österreich hätte gute Voraussetzungen hier eine Vorreiterrolle einzunehmen und wirtschaftlich zu profitieren. Diese Chancen bleiben bislang ungenutzt.
Die Idee: Energiewendegenossenschaft
Einer Gruppe von Vorarlberger Grünen war es zu wenig, nur darüber zu jammern und entschlossen sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und ein Energiewende-Unternehmen zu gründen. Als geeignete Gesellschaftsform stellte sich recht rasch die Genossenschaft heraus. Die formulierte Zielsetzung: "Eine grüne Genossenschaft bündelt ökonomisches Potential und fachliches Know-How, um wirtschaftlich erfolgreich, konkrete Energiewende-Projekte zu starten, energieerzeugende Anlagen zu betreiben und Energiedienstleistungen anzubieten."
Mögliche Arbeitsbereiche liegen in den Energiearten Ökostrom, Wärme und Mobilität. Neben der Errichtung von eigenen Anlagen kann es auch um Beratung, Contracting und um andere Dienstleistungen gehen. Die angehenden Genossenschafter/innen entschlossen sich aber, sich in der Anfangsphase auf die Produktion von Solarstrom zu konzentrieren.
Die Genossenschaft schien zwar rasch die geeignete Gesellschaftsform. Da sie aber sogleich mit Kosten verbunden ist, die den ökonomischen Rahmen des zu gründenden Kleinunternehmens sogleich stark belastet hätten, wurde zunächst ein Verein gegründet: "v-energie – Initiative zur Gründung einer Energiewendegenossenschaft Vorarlberg" (s.a. www.v-energie.at). Es wurde dann aber klar, dass ein Verein keine geeignete Konstruktion für unternehmerische Tätigkeit ist, weswegen mit hervorragender Unterstützung des Österreichischen Genossenschaftsverbands die Gründung einer eigenen Genossenschaft voran ging. Kurz vor der Gründungsversammlung bot sich aber die Möglichkeit, die geplanten Aktivitäten in einer bereits bestehenden Genossenschaft zu integrieren. Der bereits bestehenden Verein v-energie wird weiter als Marketinginstrument genutzt, die ökonomischen Aktivitäten werden dann aber in und mit der Talente-Genossenschaft abgewickelt.
Diese Genossenschaft ist aus einem Tauschkreis entstanden. Also einer Bewegung, die Ökonomie außerhalb des Euro organisiert und zwar mit der virtuellen Regionalwährung Talent. Aus dem Talente-Tauschkreis Vorarlberg sind in den letzten Jahren Projekte entstanden, die zum Ziel haben, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken. So wickeln z.B. eine Gruppe von Vorarlberger Kunsthandwerker/innen ihren Vertrieb über die Talente-Genossenschaft ab. Vor allem aber werden Regionalgeld-Projekte und Gutscheinsysteme, wie z.B. für die Gemeinde Langenegg oder den Biosphärenpark Großes Walsertal herausgegeben. (Mehr dazu auf www.talentiert.at) Die vor zwei Jahren gegründete Talente-Genossenschaft versteht sich als eine Plattform für regionales und kooperatives Wirtschaften und hat sich auch für andere Initiativen geöffnet.
v-energie und die Talente-Genossenschaft versuchen nun drei Gruppen von Menschen zusammen bringen: Jene, die ein für Photovoltaik geeignetes Dach haben, jene die Geld in Photovoltaik investieren wollen, und jene, die das notwendige Know-How dafür haben. Die Genossenschaft sucht also Dächer, schließt mit den Eigentümer/innen Nutzungsverträge ab, klärt die technischen Möglichkeiten, sichert die Finanzierung und errichtet und betreibt Anlagen. Die ersten Anlagen sind schon geplant, mit der Inbetriebnahme ist bis Sommer 2010 zu rechnen.
Den Genossenschafter/innen und Investor/innen kann – aufgrund der oben beschriebenen politischen Rahmenbedingungen – derzeit kein großartiger Gewinn versprochen werden. Der Nutzen liegt für sie vielmehr darin, dass sie ihren eigenen regionalen Ökostrom produzieren und damit die Energiewende vorantreiben. Sie können ihr Geld langfristig, ethisch korrekt investieren und zwar so, dass der ökonomische Wert erhalten bleibt und ökologische Werte geschaffen werden. |